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  • Dieter Pregizer

Schimmelpilze in Wohnungen gefährden die Gesundheit

Was sind Schimmelpilze?

Schimmel an einer Außenwand


Flächiger Schimmelpilzbewuchs an einer Außenwand mit Mycel.


Extreme Schimmelbildung in einer Toilette durch Feuchtigkeit von außen


Schimmelpilze an einer oberen Außenecke


Schimmelpilze vermehren sich durch die Bildung von Sporen, die auf dem Luftweg übertragen werden. Sowohl im Freien als auch innerhalb von geschlossenen Räumen sind natürlicherweise ständig Sporen unterschiedlicher Schimmelpilzarten in der Luft vorhanden.

Wenn dann an der Oberfläche eines Bauteils günstige Lebensbedingungen vorliegen, bilden sich aus den Pilzsporen die sogenannten Hyphen. Hyphen sind kleinste, fadenartige Schimmelpilz¬bestandteile, deren Gesamtheit das Mycel bilden. Unter dem Mikroskop erscheinen sie wie ein gewebe¬artiges Geflecht.

In weiter fortgeschrittenem Stadium entwickelt sich dann aus dem Mycel ein Fruchtkörper, der bei den verschiedenen Schimmelpilzarten unterschiedlich ausgeprägt ist. Er kann sowohl in der Form als auch in der Farbe variieren. Bei denjenigen Schimmelpilzen, die in Wohnungen auftreten, besteht der Fruchtkörper meist aus einem unregelmäßig begrenzten, flächenartigen Belag mit filzartigem Aussehen. Überwiegend weisen die Schimmelpilze graue und schwarze Farbnuancen auf, es können aber auch grüne, blaue oder rote Farbtöne vorliegen.

Das Auftreten von Schimmelpilzen geht häufig mit einem typischen, muffigen Geruch einher, der auch als modrig bezeichnet werden kann.

Welche Wachstumsbedingungen brauchen Schimmelpilze? Schimmelpilze benötigen als Nahrungsgrundlage organisch gebundenen Kohlenstoff. In einer Wohnung kommen hierfür überwiegend folgende Quellen infrage: • Wandputz mit organischen Bestandteilen, • Tapeten, insbesondere Raufasertapeten, • Dispersionsanstriche, • Staubablagerungen.

Die organischen Substanzen müssen in Wasser gelöst sein, damit sie von den Schimmelpilzen als Nährstoffe verwertet werden können. Weiterhin zählt zu den Wachstumsbedingungen ein günstiger Temperaturbereich. Die optimale Temperatur liegt etwa im Bereich zwischen 20 °C und 40 °C, manche Schimmelpilzarten entwickeln sich auch noch in einem Temperaturbereich zwischen -5 °C und +55 °C (siehe Tabelle).

Damit sich Schimmelpilze entwickeln können, muss eine hohe relative Luftfeuchte vorliegen. Ab einer relativen Luftfeuchte von etwa 80 % an der Oberfläche eines Baustoffes muss mit Schimmelpilzwachstum gerechnet werden. Unter diesen Bedingungen kann in den Poren des Baustoffes die sogenannte Kapillarkondensation auftreten, wodurch flüssiges Wasser vorliegt. Es gibt jedoch auch einige Schimmelpilzarten, die bereits ab einer relativen Luftfeuchte von ca. 70 % zu wachsen beginnen. Das Auftreten von Tauwasser oder Kondenswasser an einer Baustoffoberfläche ist somit nicht zwingend für Schimmelpilzbildungen erforderlich.

Wachstumsbedingungen von Schimmelpilzen:

  1. Relative Luftfeuchte an der Baustoffoberfläche: Größer als 80 %

  2. Lufttemperatur: 20 °C bis + 40 °C, in Extremfällen: –5 °C bis + 55 °C

  3. Sauerstoff: In Wohnungen immer in ausreichender Menge vor¬handen

  4. Licht: Nicht erforderlich

  5. Nahrung: Organisch gebundener Kohlenstoff. In Wohnungen meist in ausreichender Menge vorhanden. Bereits normaler Hausstaub ist ausreichend.

  6. pH-Wert: 4,5 bis 6,5, in Extremfällen: 2 bis 11

Schimmelpilze an einer Außenecke hinter einem Regal, welches dort die Lüftung und Beheizung behinderte.


Wassereintritte von oben an einer undichten Dachterrasse.


Trocknung von Wäsche erhöht die Luftfeuchte in Wohnungen.


Großflächiger Schimmelbelag in einem Badezimmer.


Da in Wohnungen nahezu immer von einer ausreichenden Lufttemperatur, einer ausreichenden Menge an Sauerstoff und Nahrung, sowie von einem günstigen pH-Wert ausgegangen werden kann, bleibt als wichtigster Faktor zur Beeinflussung von Schimmelpilzbildungen der Feuchtegehalt eines Baustoffes oder die relative Luftfeuchte an der Baustoffoberfläche übrig. Diese beiden Faktoren stellen die kritischen Bedingungen für das Auskeimen der Sporen und die Bildung von Schimmelpilzen dar. Zur Verhinderung von Schimmelpilzbildungen muss so-mit hauptsächlich an diesen beiden Stellschrauben gedreht werden.

Je nach Untergrundbedingung, Nahrungsangebot, Temperatur und relativer Luftfeuchte an der Baustoffoberfläche kann es innerhalb eines Zeitraums von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen zur Auskeimung von Sporen und zur Ansiedlung von Schimmelpilzen kommen.

Die Wachstumsgeschwindigkeit verschiedener Schimmelpilzarten kann bei einer Temperatur von 20 °C in der Größenordnung von 1 mm bis 4 mm pro Tag betragen.

Schimmelpilze können die Gesundheit gefährden Schimmelpilzarten gibt es viele Tausende, von denen einige für den Menschen sogar nütz¬lich sein können, wie zum Beispiel der Edelschimmel bei Käse. Auch bei der Produktion von bestimmten Arzneimitteln wird auf Schimmelpilze zurückgegriffen. Der größte Teil der Schim¬melpilze stellt jedoch für den Menschen ein potenzielles Krankheitsrisiko oder Allergierisiko dar. Insbesondere Menschen mit geschwächter Immunabwehr, mit bronchialen Vorerkrankun¬gen oder Kleinkinder und Babys sind davon betroffen.

Schimmelpilzbildungen können durch verschiedene Wirkungsweisen die Gesundheit von Menschen, die in belasteten Häusern oder Wohnungen leben, beeinflussen. Hierunter fallen vor allem folgende Auswirkungen:

Allergien: Durch Schimmelpilze können bei Menschen Allergien verursachen werden. Hiervon sind insbesondere solche Menschen betroffen, die bereits für Allergien sensibilisiert sind. In diesem Fall können folgende allergische Reaktionen aus¬gelöst werden: • Allergischer Schnupfen • Bindehautentzündungen • Asthma • Neurodermitis

Vergiftungen: Schimmelpilzbildungen können durch Stoffwechselprodukte oder durch Zellbestandteile bei Menschen auch toxische Wirkungen hervorrufen. Diese Giftstoffe werden als Mykotoxine bezeichnet. Hierbei ist es möglich, dass durch die in die Luft abgegebenen Wirkstoffe Krankheiten hervorgerufen werden, die vor allem die Lunge und die Haut oder auch innere Organe befallen können. Diese Krankheiten werden in der Medizin mit dem Begriff Mykosen beschrieben.

Einige Schimmelpilze erzeugen auch durch ihre Stoffwechselvorgänge Gifte, die im menschlichen Körper Vergiftungen bewirken können. Für Innenräume von Wohnungen wird die Gefahr der Vergiftung durch Schimmelpilzbildungen nach der bisherigen Erfahrung zwar als eher gering eingestuft, vollständig ausgeschlossen werden kann sie jedoch nicht.

Infektionen: Auch Infektionen können bei Menschen durch Schimmelpilzbildungen hervorge¬rufen werden.

Gerüche: In Wohnungen mit Schimmelpilzbildungen muss mit muffigen oder modrigen Gerüchen gerechnet werden. Die Gerüche stammen aus Stoffwechselprodukten der Schimmelpilze. Diese an die Luft abgegebenen organischen Verbindungen werden in der Fachsprache als „MVOC“ (microbial volatile organic compaunds) bezeichnet. Durch Bestimmung der MVOC-Anteile in der Luft kann der Nachweis von nicht sichtbaren Schimmelpilzbildungen in geschlossenen Räumen erfolgen. Die Ausprägung dieser Erscheinungen wird jedoch meist durch das individuelle Lüftungsverhalten beeinflusst.

Bei allen oben beschriebenen Belastungen durch Schimmelpilzbildungen ist die Auswirkung auf den Menschen von der individuellen Konstitution des jeweiligen Bewohners einer belasteten Wohnung sowie von der Art der aufgetretenen Schimmelpilze abhängig.

Generell gilt, dass sowohl bei immungeschwächten Menschen, als auch bei Menschen mit einer Sensibilisierung gegen Schimmelpilze mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit gerechnet werden muss. Wenn eine gesundheitliche Belastung vermutet wird, dann sollte auf jeden Fall eine Untersuchung durch einen Arzt erfolgen.

Schimmel in Wohnungen muss schnell beseitigt werden Aufgrund des Krankheitsrisikos ist es wichtig, durch eine entsprechende Bauweise und durch entsprechendes Nutzerverhalten dem Auftreten von Schimmelpilzbildungen vor¬zubeugen. Wenn sich Schimmelpilze in Wohnungen jedoch bereits gebildet haben, dann müssen möglichst schnell Abhilfemaßnahmen durchgeführt und die Schimmelpilze vollständig entfernt werden.

Bei unklaren Ursachen kann es zusätzlich erforderlich werden, einen Sachverständigen heranzuziehen, der die Wohnung untersucht und eine Beurteilung abgibt.

Bei der Sanierung einer durch Schimmelpilze belasteten Wohnung sollte ausschließlich auf Fachfirmen zurückgegriffen werden, die hierfür einschlägige Erfahrungen besitzen. Außerdem muss verhindert werden, dass bei solchen Sanierungsmaßnahmen Bestandteile von Schimmelpilzen aus den befallenen Räumen in bisher nicht betroffene Räume verschleppt werden.

Schimmelpilzbildungen unter der Heizung zeigen, dass der Heizkörper wenig oder überhaubt nicht in Betrieb war.


Schimmelbildung hinter einem Bilderrahmen an einer Außenwand.


Intensive Schinnelpilzbildungen an einer Außenecke.


Leckagen an der Luftdichtheitsschicht kann zu lokalen Schimmelbildungen an versteckten Stellen führen.


Tipps: Beim Auftreten von Schimmelpilzbildungen sollten möglichst umgehend folgende Maßnahmen eingeleitet werden: • Untersuchung der Ursache der Schimmelpilzbildungen, eventuell Einschaltung eines Sachverständigen. • Beseitigung der Ursache der Schimmelpilzbildungen. • Beseitigung der aufgetretenen Schimmelpilzbildungen durch eine Fachfirma, welche Erfahrungen mit solchen Sanierungsmaßnahmen besitzt. • Falls erforderlich, Umstellung der Heizungs- und Lüftungsgewohnheiten. • Überprüfung des Erfolgs der Maßnahmen nach bestimmten zeitlichen Intervallen. • Bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Hinzuziehung eines Arztes.

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